Raspberry Pi als Scanserver

Ich bin ein Freund des papierlosen Büros, da ich so immer recht schnell auf meine Dokumente zugreifen kann. Da ich diese zusätzlich auch noch in meine eigene Nextcloud lege, kann ich sogar auch mal schnell von unterwegs reinschauen.
Damit das funktioniert, müssen aber die zahllosen Briefe (bis auf Rechnungen kommt ja leider kaum etwas digital) digitalisiert d.h. eingescannt werden. Dazu musste ich bis vor kurzem aber immer noch einen Computer oder einen Laptop einschalten. Das ist mir manchmal zu umständlich wenn es schnell gehen soll.
Ich nutze ein altes Multifunktionsgerät das mittlerweile nur noch scannen kann, da der Druckkopf (wie so oft bei nicht regelmäßig genutzten Tintenstrahldruckern) defekt ist. Da das Gerät zusätzlich meckert, dass ich die Patronen doch bitte ersetzen möge, kann ich nicht mal in das Menü navigieren um das eingebaute WLAN des Geräts zu verwenden. Das heißt ich muss wirklich das USB Kabel physisch an ein Endgerät anschließen. Das ist mir bei dem aktuellen Standort aber zu umständlich. Das heißt hier musste eine Lösung her.

Mein Setup besteht jetzt aus einem Raspberry Pi mit dem aktuellen Raspbian 10 an dem der Scanner direkt per USB angeschlossen ist. Zum Glück unterstützt der SANE Daemon den Scanner ohne zusätzliche Einstellungen und bei den gängigen Linux Distributionen (auch bei Raspbian) ist er auch meist schon vorinstalliert. Zur Einrichtung sei daher auf die gute Dokumentation von ubuntuusers.de verwiesen. Zusätzlich dazu gibt es auch ein Tutorial speziell für den Raspberry Pi. Das Scannen funktioniert sowohl über das Flachbett als auch über den automatischen Dokumenteneinzug per Konsole und auch über das Netzwerk von einem anderen Linuxsystem mit SANE. Ich bin nur an zwei Stellen von dem oben genannten Tutorial abgewichen.

  1. Habe ich auf dem Raspberry Pi in der /etc/sane.d/dll.conf alle Treiber bis auf den für meinen Scanner gelöscht (ich bilde mir ein, dass das ein kleinen Zeitvorteil beim Ansprechen des Scanners gibt).
  2. Musste ich die Rechte für das USB Gerät so anpassen, dass jeder darauf lesen und schreiben kann. Man hätte zwar auch speziell den Benutzer des SANE daemons oder die scan Gruppe dort eintragen können, aber so ging es erst mal am Einfachsten. Dazu muss eine neue udev Regel in /etc/udev/rules.d/90-scanner.rules mit
    SUBSYSTEM=="usb", ATTRS{idVendor}=="04b8", ATTRS{idProduct}=="0870", MODE="0666"
    erstellt werden. Natürlich muss die Vendor ID und Produkt ID entsprechend eurem Gerät angepasst werden. Herausfinden kann man die IDs mit dem Befehl lsusb. Im Anschluss muss der udev Daemon noch neugestartet werden.

 

Programme

Wie greift man aber denn jetzt über eine schöne GUI darauf zu?

Auf meinem PC mit Ubuntu MATE nutze ich das Tool Dokument-Scanner. Der findet den Scanner automatisch im Netzwerk wenn die IP des Raspberry Pi's in der /etc/sane.d/net.conf eingetragen wurde. Unter Android kann ich die App SANEDroid empfehlen. Dort muss man ebenfalls die IP des Scanservers, also von unserem Raspberry Pi, in den Einstellungen hinterlegen. Für Windows und MAC gibt es ebenfalls Tools. Dafür lohnt sich ein Blick auf diese Liste.

 

Nützliche Konsolenbefehle

  • Zm finden von Scannern: scanimage -L
  • Zum Scannen von Dokumenten im 1 Bit Schwarzweißmodus:
    scanimage -p --resolution 300 --mode Lineart --source "Flatbed" --format png -o /tmp/scan.png
  • Das ganze über den ADF (automatischen Dokumenteneinzug):
    scanimage -p --resolution 300 --mode Lineart --source "Automatic Document Feeder" --format png -o /tmp/scan.png

 

Ausblick

Das nächste wird sein, dass ein Scan per openHAB getriggert wird und der Raspberry Pi den fertigen Scan direkt in ein Ordner in der Cloud kopiert. Dazu werde ich ein Pythonscript schreiben, dass eine Schnittstelle zwischen SANE mit pyhton-sane und MQTT darstellt.
Für das kopieren in die Cloud werde ich vermutlich das Konsolentool von Nextcloud verwenden.

Als Abschluss wäre es schön, wenn in der Nextcloud automatisch eine OCR Software läuft die die hochgeladenen Dokumente bearbeitet, damit es nicht reine Bilder bleiben. Da gibt es schon Lösungsansätze die ich weiter verfolgen werde wenn die Zeit es zulässt.

 

 

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2 Antworten zu Raspberry Pi als Scanserver

  1. Auch papierloses Büro. sagt:

    Probiere doch einfach mal https://github.com/sbs20/scanservjs aus. Läuft auch auf dem Raspi super. Der Nutzer braucht auch keine weitere Installation, da das Teil einen integrierten Webserver mitbringt.

    • Kalle sagt:

      Danke, das sieht sehr interessant aus. Aber mein Plan ist es wirklich auf Dauer nur einen einzigen Knopf zu drücken und das scannen dann automatisiert ablaufen zu lassen.

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